Schweizer Automarkt wächst - bleibt aber hinter EU-Durchschnitt zurück
Posted by: Mario Borri
Im Oktober verzeichnete der Schweizer Markt für neue Personenwagen einen leichten Anstieg: Es wurden 18’986 Neuzulassungen registriert, was einem Plus von 2,9 Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres entspricht. Dennoch fällt die Jahresbilanz weiterhin ernüchternd aus: Seit Jahresbeginn sind lediglich 192’523 neue Personenwagen zugelassen worden, nur 2,7 Prozent mehr als im sehr schwachen Vorjahr.
Der Schweizer Markt für Personenwagen verzeichnet im Oktober ein moderates Wachstum. Mit 18’986 neu zugelassenen Fahrzeugen ergibt sich ein Plus von 2,9 Prozent im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres (18’451). Trotz dieses scheinbar erfreulichen Ergebnisses bleibt das Gesamtniveau des Marktes niedrig. Nach zehn Monaten beträgt das Wachstum lediglich 2,7 Prozent gegenüber dem bereits sehr schwachen Vorjahr. Von einer nachhaltigen Erholung kann weiterhin keine Rede sein. Die seit der Pandemie schleppende Entwicklung des Gesamtmarktes stellt somit weiterhin eine der grossen Herausforderungen für die gesamte Branche dar.
Im Vergleich zu Europa wird die herausfordernde Lage der Schweizer Autoindustrie besonders deutlich. Während der Gesamtmarkt der EU in den ersten neun Monaten um 5,7 Prozent zulegte, besteht in der Schweiz weiterhin Nachholbedarf. «Die anhaltende Schwäche am Markt belastet die Automobilbranche und verzögert die dringend nötige Erneuerung des Fahrzeugbestands. Die Überalterung verschlechtert sowohl die Sicherheit als auch die Umweltbelastung. Wer mehr Verkehrssicherheit und geringere Emissionen anstrebt, muss die Modernisierung des Fahrzeugbestands beschleunigen und darf sie nicht durch zusätzliche Regulierung ausbremsen.», so Mario Bonato, Chefökonom von Auto-Schweiz. Mit inzwischen 11 Jahren hat das Durchschnittsalter des Fahrzeugbestands einen neuen Negativrekord erreicht.
Weiterhin positiv entwickelt sich die Nachfrage nach reinen Elektro-Personenwagen (BEV). Im Oktober wurden 6620 neue Elektroautos zugelassen (Vorjahr: 4175). Seit Jahresbeginn kamen insgesamt 52’084 reine Elektro-Personenwagen neu auf die Strasse. Das entspricht einem Zuwachs von 30,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (39’900). Inzwischen beträgt der Anteil der BEV an den Neuzulassungen 27,1 Prozent. Damit fährt mehr als jeder vierte neu zugelassene Personenwagen ausschliesslich elektrisch. Um das Wachstum weiter zu stärken, braucht es bessere Rahmenbedingungen, insbesondere einen schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur und den Verzicht auf zusätzliche steuerliche Belastungen.
Während die Europäische Union ihre Automobilbranche durch regulatorische Anpassungen entlastet, bleibt eine entsprechende Flexibilisierung in der Schweiz weiterhin aus. Bislang hat die Schweiz keine der dringend benötigten Erleichterungen übernommen. Schweizer Autoimporteure sind dadurch nach wie vor an starre jährliche Zielwerte und hohe Sanktionsrisiken gebunden. Dieser regulatorische «Swiss Finish» bringt zusätzliche Nachteile im Wettbewerb und belastet einen ohnehin schwachen Markt.
Thomas Rücker, Direktor von Auto-Schweiz, erklärt: «Es ist nicht nachvollziehbar, dass die EU ihre Automobilindustrie entlastet, während die Schweiz an einer übermässig strengen CO₂-Regulierung festhält und dadurch erhebliche volkswirtschaftliche Schäden verursacht. Die wachsende Kluft zwischen der Erholung in europäischen Ländern und der Stagnation in der Schweiz sollte daher niemanden überraschen.»




